Kommentare, Fragen, Ketzerisches...

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(neu geordnet: das Neueste zuerst)

Zäune         (Reaktion des VPOD Psychiatrie auf den bz-Artikel vom 9.9.14)

Man fragt sich beim Lesen unwillkürlich, was für ein Bild der UPK damit und zu welchem Zweck suggeriert werden soll. Und warum die Basellandschaftliche Zeitung das tut. Am Wochenende beispielsweise war UPK-Fest und der Park voller Kinder. Uns jedenfalls wird übel, wenn wir lesen, dass Kinder und

Jugendliche mit "Zäunen" von kranken Erwachsenen getrennt und geschützt werden müssen. Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung sind doch keine wilden Tiere, in welchem Jahrhundert leben diese Initianten nur. Wahr ist, dass die Bevölkerung seit dem (selber getroffenen) Entscheid, die Spitäler zu verselbständigen, zu solchen Fragen nichts mehr zu sagen hat. Es deshalb nachvollziehbar und rechtsstaatlich nicht zu beanstanden ist, dass, wer beim Standort mitreden will, eine Volksinitiative lanciert.

Wir erwarten vom Kanton jetzt, dass er die Verantwortung fürs Ganze wahrnimmt und das in seinen Möglichkeiten noch Stehende dafür tut, dass es rasch zu einer Lösung kommt, die für alle passt. Denn eine Abstimmung über die Frage, ob auf der Wiese vor der UPK eine Klinik für Kinder und Jugendliche gebaut werden darf oder soll, können wir uns wohlwollend nicht vorstellen, wenn jetzt schon von "Zäunen" die Rede ist. Ein solches Plebiszit kann nur zu einer schmutzigen Kampagne gegen psychisch kranke Mitmenschen ausarten und würde deren Bild und Ansehen in der Öffentlichkeit massiv beschädigen. Das genaue Gegenteil ist notwendig.

 

VPOD Psychiatrie, Hans Stalder

 

Ausführlicher Text siehe Dokumente 


Kinder sind damit überfordert!     (Eine Antwort an die VPOD-Gruppe)

Ich bin befremdet, dass sich die VPOD-Gruppe gegen die Initiative für eine quartiernahe Kinder- und Jugendpsychiatrie ausspricht, ohne dies fachlich zu begründen. Eine gewerkschaftliche Begründung gibt es in diesem Fall wahr-scheinlich nicht. Es kommt mir keine in den Sinn. Die politische Argumentation ist für mich nicht stichhaltig. 

Die Initiative wendet sich nicht gegen die UPK und psychisch Kranke, sondern sie setzt sich für Kinder und Jugendliche ein. Kinder und oft auch Jugendliche erleben das „verrückt“-Sein oder auffälliges Verhalten anderer Menschen als bedrohlich. Sie sind damit überfordert.

Kinder und Jugendliche empfinden es als sehr schwierig, „anders“ zu sein. Sie erleben, dass sie anecken, nicht belastbar und nicht leistungsfähig sind, sich unakzeptabel verhalten. Durch die örtliche Nähe zu erwachsenen psychisch Kranken kann sich ihr negatives Selbstbild verstärken. Für Kinder, Jugendliche und ihre Familie ist es ein grosser Schritt, psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es geht oft um Scham oder gar um (vermeintliche) Schuld. Der Schritt auf das Gelände der psychiatrischen Klinik könnte zu gross werden. (Nicht umsonst gibt es auch für Erwachsene Angebote ausserhalb der Klinik, gerade erst eröffnet: Kornhausgasse.)

 

Gertrud Ungerer, ehemalige pädagogisch-pflegerische Leiterin der KPA* Ale-mannengasse, VPOD-Mitglied

  

*damals kinderpsychiatrisch-psychotherapeutische Station des Kinderspitals

  

Ausführlicher Text siehe Dokumente 

Eine VPOD-Gruppe warnt

Gegenwärtig werden Unterschriften gesammelt für eine Verfassungsinitiative, die verlangt, dass der (längst überfällige) Neubau für die KJP strikt nur neben dem UKBB geplant bzw. gebaut werden darf. Wir sind (kurz gefasst) dafür, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie rasch einen eigenen und geeigneten Ort (und kein weiteres Provisorium) bekommt. Dieser Ort kann unserer Auffassung nach überall sein, warum nicht auch im Gundeli, auf dem Bruderholz, im Kleinbasel (wie bisher) oder stadtauswärts Richtung Riehen. Sollte aber schlussendlich nur die Option auf dem Gelände vor dem UPK-Campus stadteinwärts realistisch sein, so wäre auch das kein Weltuntergang. Jedenfalls kein Grund, eine Volks-abstimmung in Kauf zu nehmen.

 

VPOD-Gruppe Psychiatrie, Hans Stalder

 

(ausführlicher Text siehe Dokumente)

Kinder so begleiten, dass später keine erwachsenenpsychiatrischen Mass-nahmen notwendig sind!

Ich habe gerade als Psychiater für Kinder, Jugendliche und Erwachsene meine Unterschrift für die Initiative gegeben, weil auch ich meine, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie herzlich wenig mit der Erwachsenenpsychiatrie gemein-sam hat. Kurz: eine wichtige Aufgabe der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die, Kinder und Jugendliche so zu begleiten, dass später keine erwachsenen-psychiatrischen Massnahmen erforderlich sind. Diese sehr wichtige präventive Aufgabe bei Kindern braucht einerseits Vernetzung mit medizinischen Angeboten für Kinder wie dem Kinderspital, sollte andererseits nahe an anderen sozialen Angeboten sein wie Schulen und kinder- und jugend-kulturellen Initiativen. Es geht auch darum, dass die Kinder- und Jugend-psychiatrie sich viel mehr als die Erwachsenenpsychiatrie der Herausforderung stellt, Probleme nicht auf Krankheiten zu reduzieren, sondern sie in einen viel grösseren Kontext zu stellen. Bekanntlich werden in der Erwachsenen-psychiatrie oft Probleme auf metabolische Ungleichgewichte im zentralen Nervensystem reduziert (unterstützt von der Pharmaindustrie), was die Endstation für unsere Kinder und Jugendlichen bedeuten würde. Dass beide Psychiatrien in der UPK vereint sind, ist m.E. darum auch keine gute Sache, kann vielleicht in einer späteren Initiative angegangen werden. Es ist klar, dass dieses klare Statement Diskussionen auslöst, denen ich mich mit Freude stellen werde.

 

Piet Westdijk, Dr. med.

Wichtig auch für uns

Als Leiter des Beratungszentrums der Suchthilfe Region Basel unterstütze ich das Anliegen für eine Kinder- und Jugendpsychiatrie im Zentrum der Stadt. Gerne trete ich dem Unterstützungskomitee bei. Wir werden innerhalb der Suchthilfe natürlich auch Unterschriften sammeln.

 

Oliver Bolliger

Hemmschwelle niedrig halten!

Als ehemaliger langjähriger Mitarbeiter der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik und Poliklinik (1967 bis 1992) halte ich eine Verlegung dieser Institution in den Bereich der Psychiatrischen Klinik für ein absolutes Unding.

Die bisherige Situation der Kinderpsychiatrischen Poliklinik sowie der stationären Abteilung am Schaffhauserrheinweg bzw. in der Alemannengasse hat sich m. E. bestens bewährt. Weil sie in neutralen Bürgerhäusern unter-gebracht sind, ist die Hemmschwelle, diese Institution aufzusuchen, niedrig gehalten. Die Nachbarschaft ist neutral, so dass damit die Sorge, das Kind könne durch eine Behandlung an diesem Ort „für sein Leben gestempelt“ sein, klein gehalten wird.

So sinnvoll das Anliegen ist, die verschiedenen Abteilungen dieses Dienstes unter einem Dach zu vereinigen, darf dies nicht um diesen Preis geschehen. Mir ist es ein Anliegen, dass der zukünftige Standort sorgfältig ausgesucht wird. Mich dafür zu engagieren, bin ich gerne bereit.

 

Rüdiger Hubrich, Diplompsychologe und Psychotherapeut VPB ASP

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